5. FESTIVAL FÜR NEUE DRAMATIK

BRIEF AN DIE SCHAUSPIELER

Valère Novarina
Deutsch von Katja Douvier und Leopold von Verschuer

Aufführungsrechte:

Kiepenheuer Bühnenvertrieb, Berlin
PREMIERE: 20.07.2007 / 19 Uhr / whiteBOX

weitere Vorstellungen:

27.07. und 28.07.2007 / 19 Uhr / whiteBOX

"Ich möchte, dass man das Licht auf dem Theater nun löscht und dass alle, die wissen, die meinen zu wissen, im Dunkeln wieder ins Theater kommen, nicht um immer wieder zu schauen, sondern damit sie eine Stunde in Finsternis nehmen, Zwielicht trinken, an der Welt leiden und brüllen vor Lachen. Leiden am Metrum, der Zeit, den Zahlen, den vier  Dimensionen. Eintreten in die Musik." (Valère Novarina)

"Vielleicht beginnen alle Revolutionen in Vororten ... Im Herbst 1973 wird in Frankreich das Stück eines Autors geprobt, dessen Werke bislang kein Verlag für druckfähig hielt: Weil ihnen der Mund verboten ist, beginnt eine Gruppe von Menschen zu lernen mit dem Anus zu sprechen, eine subversive Sprache, die aus ihren Eingeweiden kommt. Wie es den Schauspielern bei den ersten Schritten zu dieser Uraufführung wohl ergangen ist? Dem Regisseur jedenfalls kommt das Verdienst zu, den Autor des Stücks während der Proben als Störenfried aus dem Theater geworfen zu haben. Sonst hätte Valère Novarina vielleicht nie seinen BRIEF AN DIE SCHAUSPIELER geschrieben. Heute, ein Vierteljahrhundert später, gibt es kaum einen französischen Schauspielschüler, der diesen Brief nicht in die Hand bekommen hat. (...) Wenn im Theater der Autor der Anfang ist, der Mund, der den Text als erster einfängt, so ist wohl der Schauspieler der Ausgang, der Anus samt Eingeweide, durch die der Text läuft. Alles, was dazwischen liegt und Autor und Schauspieler trennt, bei Novarina wird es aufgehoben, er stellt die Verbindung zwischen ihnen wieder her. Sein Theater ist nicht in erster Linie eines für Regisseure, und jener, der den Autor 1973 aus dem Theater warf, hat wohl in Wahrheit sich selbst vertrieben."

 

 

 

 

 

 

 


Valère Novarina
, geboren 1947 bei Genf, wuchs in Frankreich auf, studierte an der Sorbonne Philosophie und Philologie. Er lebt als Schriftsteller, Regisseur und Maler in Paris. Patrice Chéreau nannte ihn den interessantesten Gegenwartsdramatiker Frankreichs nach Koltès Tod. Seine Texte inszeniert Novarina seit 1986 im Rahmen des Festival d'Avignon und des Pariser Festival d'Automne selbst, zuletzt Die eingebildete Operette (1998), Der rote Ursprung (2000), La Scène (2003) und L'acte inconnu (2007).

 


Regie:
Jo Vossenkuhl

Bühne:
Holger Weißgerber
Kostüme:
Bianca Schmid-Hedwig
Musik:
Mark Fischer

Mit:
Erika Ceh
Angela Eickhoff
Leonid Semenov
Norman Sonnleitner